Salix babylonica – Baum der Erkenntnis in der Ausstellung {T}ERROR

Die globale Internet-Überwachung der Geheimdienste, massenhafter Datendiebstahl durch Hacker, Betrügereien von Kriminellen, Datenschutz-Skandale und -mängel bei Onlinediensten sowie Sicherheitslücken in Sicherheitsprotokollen und Programmen verunsichern und schaden uns zunehmend. Viele Menschen machen sich Sorgen. Und Gedanken. Doch wer ändert nachhaltig etwas an seinen Sicherheitseinstellungen oder seinem Verhalten? Mit unserer analogen Installation „Salix babylonica“ (zu Deutsch: Trauerweide) im Rahmen der Ausstellung {T}ERROR an diesem Wochenende in den Räumen des Kunstvereins Via 113 in Hildesheim wollen Lien Le Thi und ich die problematische digitale Situation physisch sichtbar machen.

Die Installation zeigt sich dem Besucher in Form einer Trauerweide, die aus Holzplatten, Drähten, Stoff, Papier und zirka 1.000 Metern Wollfäden besteht.

Die Baumkrone stellt das „digitale Ich“ des Internet-Nutzers (hier: das digitale Ich von mir) dar. Sie enthält alle Informationen, die die digitale Identität ausmachen, wie zum Beispiel aufgerufene Webseiten, Login-Daten, Internet-Profile von Dienste-Anbietern, E-Mails, Standort- und Bewegungsinformationen, Cloud-Speicher, digitale Dokumente und Dateien (Musik, Filme, eBooks), die über das Internet übertragen wurden sowie Suchergebnisse. Einige dieser persönlichen Informationen von/für/über mich sind auf den Blättern in der Baumkrone abgedruckt.

Der Baumstamm dient im übertragenen Sinn als Schnittstelle zum eigentlichen Internet, ist also quasi der physische WLAN-Router, über den unverschlüsselte sowie verschlüsselte Informationen gesendet und empfangen werden.

Der umgebende Boden symbolisiert das eigentliche Internet (World Wide Web). Hier greift der Internet-Nutzer gezielt oder zufällig auf Inhalte und Dienste zu oder sucht und findet etwas. Doch auch unerwünschte Personen und Organisationen wie beispielsweise Hacker und Geheimdienste können hier ihr Unwesen treiben und die Aktivitäten des Nutzers verfolgen, mitlesen, manipulieren oder sogar blockieren. Diese Thematik wird dem Besucher mit Hilfe von auf dem Boden verstreuter Meta-Daten näher gebracht.

Der Boden und die Trauerweide (das digitale Ich) sind durch die beschriebenen Probleme vergiftet, was zur Folge hat, dass der Baum nicht mehr oder nur noch langsam wächst, krank wird, verkümmert oder stirbt. Diese Situation des Baums stellen wir in unserer Arbeit dar. Die Atmosphäre wirkt durch die düstere Farbgestaltung und den spärlichen Einsatz von Licht mystisch und leicht bedrohlich.

Die Installation soll den Besucher dazu anregen, über den aktuellen Zustand und die Zukunft der eigenen digitalen Identität nachzudenken und dient mit einigen Verlinkungen zu themenrelevanten Online-Zeitungsartikeln auch als Informationsquelle.

Die Ausstellung {T}ERROR in der Via 113 ist Samstag und Sonntag (08.11. und  09.11.2014) zwischen 11 und 19 Uhr geöffnet.

Die Idee zu „Salix babylonica“ entstand im Sommersemester 2014 in dem Projekt-Kurs „Mediale Räume“ in der Fakultät Gestaltung, Kompetenzfeld Digitale Medien an der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim. Der Kurs wurde von den Dozenten Alexander Steig und Michael Helmbrecht betreut.

Der Journalist Glenn Greenwald

Glenn Greenwald
Glenn Greenwald speaking at the Young Americans for Liberty’s Civil Liberties tour at the University of Arizona in Tucson, Arizona. – Foto von Gage Skidmore bei Flickr, lizenziert unter CC BY-SA 2.0.

Glenn Greenwald ist ein amerikanischer Journalist und Rechtsanwalt, der mit seinen Enthüllungsartikeln über die Machenschaften der Geheimdienste weltweit bekannt geworden ist. 

Geboren wurde Greenwald am 6. März 1967 im New Yorker Stadtbezirk Queens. Im Alter von 17 Jahren kandidierte er erfolglos für den Stadtrat von Lauderdale Lakes. In den 1980er Jahren begann Greenwald an der George Washington University ein Studium der Rechtswissenschaft, worauf ihm 1990 der Bachelor verliehen wurde. Vier Jahre später erlangte er des Weiteren den akademische Grad eines Juris Doctor an der New York University.

Zwischen 1994 und 2005 praktizierte er als Anwalt für Prozessrecht (bis 1995) und behandelte Fälle im Bereich Verfassungs- und Bürgerrechte (1996 bis 2005). 

2005 hörte Greenwald auf zu praktizieren, um als Blogger über Verfassungs- und Bürgerrechtsverstöße von Geheimdiensten und Regierungen zu berichten. Er erhoffte sich dadurch, einen größeren Einfluss auf die Gesellschaft zu bekommen. Auf einer Reise durch Brasilien lernte er seinen jetzigen Lebenspartner David Miranda kennen.

Seinen Blog „Unclaimed Territory“ (Unbesetztes Gebiet) schrieb er von Rio de Janeiro aus, in dem es unter anderem um die Überwachungen der NSA ohne richterlichen Beschluss zwischen 2001 und 2007 ging. 2006 wurde der Blog mit dem Koufax Award als Best New Blog ausgezeichnet. Ab 2007 schrieb er für die Onlineplattform salon.com über sicherheits- und gesellschaftspolitische Themen. 

Im Juni 2012 wechselte Greenwald zur britischen Tageszeitung The Guardian, wo er ab Januar 2013 mit dem Fall Snowden und dem von ihm enthüllten Internet-Überwachungsskandal beschäftigt war.

Seit Februar 2014 betreibt er zusammen mit Laura Poitras und Jeremy Scahill die journalistische Webseite „The Intercept“. Ihre Mission beschreiben sie so:

„Elementare Funktion von The Intercept ist es auf Pressefreiheit zu bestehen und gegenüber denjeingen zu verteidigen, die diese verletzen. Wir sind bestimmt uns vorwärts zu bewegen in dem, was wir für essentielles Berichten im öffentlichen Interesse halten. Unsere Hingabe gilt dem Ideal der wahrlich freien und unabhängigen Presse als vitale Komponente in jeglicher gesunden demokratischen Gesellschaft. Wir glauben, dass es grundlegende Aufgabe von Journalismus ist Transparenz zu schaffen und die Verantwortlichkeit von denen zu zeigen, welche die größte politische und unternehmerische Macht innehaben. Unsere Journalisten wird nicht nur gestattet, sondern sogar empfohlen sein, Geschichten ohne Rücksicht darauf zu verfolgen, wer gegen sie aufgebracht werden könnte.“

Darüber hinaus engagieren sich Glenn Greenwald und Laura Poitras in der Freedom of the Press Foundation (FPF, deutsch: Stiftung für die Freiheit der Presse).

Quelle: wikipedia.org

Der Enthüller Edward Snowden

Edward Snowden Address SXSW 2014 - Austin, Texas
Edward Snowden Address SXSW 2014 – Austin, Texas – Foto von ChrisGoldNY bei Flickr, lizenziert unter CC BY-NC 2.0.

Edward Snowden ist ein im russischen Exil lebender US-amerikanischer Enthüller, der geheime Dokumente der NSA und anderer Geheimdienste öffentlich gemacht hat, die deren weltweite und systematische Überwachung des Internets belegen. 

Geboren wurde Edward Snowden am 21. Juni 1983 in Elizabeth City (North Carolina, USA). Zwischen 1999 und 2001 sowie von 2004 bis 2005 studierte er Informatik am Anne Arundel Community College in Maryland. 2003 war er kurzzeitig bei der U.S. Army und hatte die Absicht im Irak-Krieg zu kämpfen. Seine Zeit als Reservist war nach nur vier Monaten vorbei, da er sich bei einem Training beide Beine brach und daraufhin ausgemustert wurde. Ab 2004 arbeitete er parallel zum Studium als Wachmann für eine NSA-Einrichtung an der Universität von Maryland. 2005 brach er sein Studium ab.

Im selben Jahr fing Snowden bei der CIA an und arbeitete dort bis 2009 an verschiedenen Standorten als Techniker im Bereich der IT-Sicherheit. Weil er versucht hat auf geheime Dokumente zuzugreifen wurde er entlassen, wurde abgesehen davon aber nicht belangt. Nach kurzer Tätigkeit als freier technischer Mitarbeiter für die U.S. Army in Japan wechselte er 2009 zur Beratungsfirma Booz Allen Hamilton, für die er bis Mai 2013 als Systemadministrator in einem NSA-Büro auf Hawaii tätig war. 

Auf der Insel Oahu (Hawaii, USA) lebte Snowden mit seiner Freundin bis zu seiner Flucht nach Hongkong im Mai 2013, wo er sich mit der deutschen Dokumentarfilmerin Laura Poitras sowie dem The Guardian-Journalist Glenn Greenwald zu Interviews traf und anschließend der Überwachungsskandal publik wurde.

Heute lebt Edward Snowden an einem geheimen Ort in Russland, von wo aus er gelegentlich via Video-Übertragung auf verschiedenen Konferenzen und Kongressen spricht oder Gesprächspartner ist, wie zum Beispiel auf dem Personal Democracy Forum 2014 (hier auch als Text) mit John Perry Barlow. Mittelfristig möchte er in die USA zurückkehren.

Quelle: wikipedia.org

Eine Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace

von John Perry Barlow, Übersetzung von Stefan Münker

Regierungen der industriellen Welt, Ihr müden Giganten aus Fleisch und Stahl, ich komme aus dem Cyberspace, der neuen Heimat des Geistes. Im Namen der Zukunft bitte ich Euch, Vertreter einer vergangenen Zeit: Laßt uns in Ruhe! Ihr seid bei uns nicht willkommen. Wo wir uns versammeln, besitzt Ihr keine Macht mehr.

Wir besitzen keine gewählte Regierung, und wir werden wohl auch nie eine bekommen – und so wende ich mich mit keiner größeren Autorität an Euch als der, mit der die Freiheit selber spricht. Ich erkläre den globalen sozialen Raum, den wir errichten, als gänzlich unabhängig von der Tyrannei, die Ihr über uns auszuüben anstrebt. Ihr habt hier kein moralisches Recht zu regieren noch besitzt Ihr Methoden, es zu erzwingen, die wir zu befürchten hätten.

Regierungen leiten Ihre gerechte Macht von der Zustimmung der Regierten ab. Unsere habt Ihr nicht erbeten, geschweige denn erhalten. Wir haben Euch nicht eingeladen. Ihr kennt weder uns noch unsere Welt. Der Cyberspace liegt nicht innerhalb Eurer Hoheitsgebiete. Glaubt nicht, Ihr könntet ihn gestalten, als wäre er ein öffentliches Projekt. Ihr könnt es nicht. Der Cyberspace ist ein natürliches Gebilde und wächst durch unsere kollektiven Handlungen.

Ihr habt Euch nicht an unseren großartigen und verbindenden Auseinandersetzungen beteiligt, und Ihr habt auch nicht den Reichtum unserer Marktplätze hervorgebracht. Ihr kennt weder unsere Kultur noch unsere Ethik oder die ungeschriebenen Regeln, die unsere Gesellschaft besser ordnen als dies irgendeine Eurer Bestimmungen vermöchte. Continue reading “Eine Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace”

Über John Perry Barlow, einen Pionier im Cyberspace

Copyfight /John Perry Barlow
Copyfight /John Perry Barlow – Foto von Pixel y Dixel bei Flickr, lizenziert unter CC BY-NC-ND 2.0.

John Perry Barlow wurde am 3. Oktober 1947 in Jackson Hole (Wyoming, USA) geboren. 1969 beendete er sein Studium in vergleichende Religion an der Wesleyan University in Middletown (Connecticut, USA). Ab 1971 arbeitete er 17 Jahre lang als Viehzüchter (bis 1988) und war parallel dazu Texteschreiber für die Rockband Grateful Dead (bis 1995).

1990 gründete er zusammen mit Mitchell Kapor die Electronic Frontier Foundation (EFF), eine Nicht-Regierungsorganisation mit Hauptsitz in San Francisco, welche die Grundrechte im Informationszeitalter gegenüber Unternehmen und Regierungen verteidigt. Ihre grundlegenden Ziele sind die Erhaltung und Durchsetzung von Redefreiheit, Privatsphäre, Innovation und Verbraucherrechten. Neben der Arbeit vor Gerichten betreibt die EFF auch Öffentlichkeitsarbeit.

Ab Mai 1998 war Barlow als Student am Berkman Center for Internet and Society der Harvard Universität eingeschrieben. Heute lebt er in Pinedale (Wyoming, USA), Chinatown in New York City, San Francisco, Salt Lake City, „On The Road“ und im Cyberspace. Er ist Redner, Berater, Autor und Cyberpionier.

Barlows bekanntester Text ist das Manifest „A Declaration of the Independence of Cyberspace“ (Eine Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace), das er am 8. Februar 1996 beim Weltwirtschaftsforum in Davos online publiziert hat.

Zwischenzeitlich wurde das Manifest auf mehr als 40.000 Webseiten weiterverbreitet und ist laut Wikipedia „einer der bis heute einflussreichsten Artikel über die Machbarkeit und Legitimierung von staatlicher Kontrolle und Hegemonie auf das schnell wachsende Internet“, der kontrovers diskutiert wurde und wird. 2004 konstatierte Barlow in Bezug auf seine Texte aus den 1990er Jahren: „Wir werden alle älter und klüger“.

2012 gründete John Perry Barlow zusammen mit Edward Snowden, Glenn Greenwald, Laura Poitras und einigen weiteren Mitstreitern die Freedom of the Press Foundation (FPF, Stiftung für die Freiheit der Presse), eine gemeinnützige Stiftung zur Stärkung der Presse- und Meinungsfreiheit sowie zur Bekämpfung von Missmanagement, Korruption und Rechtsverstößen von Regierungen. Ziel der Stiftung ist es, mithilfe von Crowdfunding Geld zu sammeln und dieses an andere Organisationen zu spenden, die nach Ansicht des FPF förderungswürdige Arbeit leisten, wie zum Beispiel Wikileaks.

Weitere Quellen:
John Perry Barlows Biografie bei eff.org
Stiftung für die Freiheit der Presse bei wikipedia.org

Zum Thema: „App“-Spielfilm und Dokumentation „Verschwörung gegen die Freiheit“ im ZDF

Noch schnell ein Paar Tipps für die Fernsehabende in den kommenden Tagen, die die Themen Digitalität und Überwachung sowie ihre Auswirkungen aufgreifen: Gleich (ab 22:15 Uhr) zeigt das ZDF den Spielfilm „APP“ mit Second-Screen-Erweiterung. Morgen Abend ab 20:15 Uhr und am Mittwoch um 22:45 Uhr läuft außerdem die zweiteilige Dokumentation „Verschwörung gegen die Freiheit“ aus der Sendereihe ZDFzoom, die den Hintergründen und politischen Folgen der weltweiten Abhör- und Überwachungsprogramme nachgeht.

„Seit Edward Snowden weiß die Welt, dass die USA persönliche Daten im globalen Maßstab überwachen. Aber wie kam es dazu? Und sieht es in Europa wirklich besser aus? Was machen deutsche Firmen und Sicherheitsbehörden heute schon alles mit unseren Daten und an welchen neuen Überwachungsmethoden wird geforscht? Wie können wir uns dagegen wehren?“
Quelle: heute.de

Digitalität und Gesellschaft

„Digitalität und Gesellschaft“ ist ein Seminar aus dem Kompetenzfeld Digitale Medien an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Hildesheim im Sommersemester 2014, in dem wir uns anhand ausgewählter Persönlichkeiten mit den Auswirkungen der Digitalität auf die Gesellschaft beschäftigen. Alle Studierenden schreiben in einem eigenen Blog über bis zu drei Persönlichkeiten und alles, was sie selbst in Bezug auf die digitale Gesellschaft und das Internet im Allgemeinen interessiert.

In meinem Blog schreibe ich in der Kategorie „Digitalität und Gesellschaft“ unter anderem über John Perry Barlow, Edward Snowden und Glenn Greenwald.

Im folgenden liste ich alle anderen Blogs auf, die im Rahmen des Seminars geführt werden und welche Persönlichkeiten jeweils behandelt werden.